Aus- und Fortbildung
Mehr Stoff als gedacht
Selbst Chefs lernen hier dazu: Das DIK in Hannover schult Fach- und Führungskräfte rund um Gummi
von Isabel Link
Hannover. Gummi folgt seinen eigenen Regeln. Das wissen die sechs Studierenden des aktuellen Weiterbildungsstudiengangs Kautschuktechnologie (WBS) längst aus ihrem Berufsalltag. Trotzdem waren sie überrascht, wie groß und vielfältig der Werkstoff tatsächlich ist. Erst in der ersten Vorlesung am Deutschen Institut für Kautschuktechnologie (DIK) wurde ihnen klar, wie weit das Feld reicht.
Ein Jahr lang arbeiten sie sich nun am DIK durch Materialkunde, Verarbeitung und Prüfmethoden von Kautschuk – berufsbegleitend und praxisnah. Einmal im Monat kommen sie dafür aus ganz Deutschland nach Hannover. Am Ende steht ein Zertifikat der Leibniz-Universität Hannover, das für die weitere Karriere Gewicht hat.
Fachwissen trifft auf Freundschaften
Seit ihrer Ausbildung zur chemisch-technischen Assistentin arbeitet Katharina Fischer bei der Hübner GmbH. Die Firma stellt Übergangssysteme für Busse und Bahnen her. Dort ist sie im Labor als Materialprüferin tätig und übernimmt unter anderem die physikalische Prüfung von Gummidichtungen. „Nach fünf Jahren habe ich mich allerdings gefragt, wie ich mich weiterentwickeln kann.“ Darauf hatte ihr Chef direkt eine Antwort: das Weiterbildungsstudium Kautschuktechnologie. „Er hat das Studium vor ein paar Jahren selbst absolviert und war ganz begeistert“, erzählt Fischer.
Ein halbes Jahr nach Studienbeginn kann sie diese Begeisterung gut nachvollziehen: Mit jeder Vorlesung gewinnt sie tiefere Einblicke in den Werkstoff Kautschuk und in seine unterschiedlichen Einsatzfelder. Dazu hat sie Kommilitoninnen und Kommilitonen, die durch die regelmäßigen Gemeinschaftsabende zu Freunden geworden sind, und ein Team am DIK, das für jedes Problem eine Lösung findet. „Man fühlt sich hier einfach total wohl.“
Der Chef im Studiengang
Doch das Studium ist nicht nur etwas für Fachkräfte, die den nächsten Karriereschritt gehen wollen. Zu Fischers Kommilitonen gehört Julius Jäger, der seit drei Jahren Geschäftsführer der Jäger Gummi und Kunststoff GmbH ist. Obwohl diese Position mit vielen Aufgaben verbunden ist, hat sich der 33-Jährige entschieden, parallel das Weiterbildungsstudium zu absolvieren.
Als studierter Maschinenbauer ist ihm die Kautschuktechnologie nicht ganz fremd. „Aber Gummi ist in unserem Familienunternehmen der zentrale Werkstoff. Mir ist wichtig, Kunden in Werkstofffragen wirklich beraten zu können oder strategische Entscheidungen zum Beispiel in neue Produktionskapazitäten richtig einschätzen zu können.“ Besonders beeindruckt hat Julius Jäger bisher die Bandbreite der Prüf- und Analysemöglichkeiten am DIK. „Man merkt erst hier, welche Möglichkeiten es gibt und welche technischen Kennwerte beim Gummi wirklich entscheidend sind.“
Feierabend ist noch kein Feierabend
Das Studium ist klar strukturiert: In der Regel verbringen die Teilnehmer eine Woche pro Monat am DIK. Der Rest der Zeit gehört dem Berufsalltag im Unternehmen und dem Lernen zu Hause. Ergänzt wird das Programm durch Exkursionen zu Industriepartnern sowie durch intensive Prüfungsphasen. Erst an diesem Morgen standen zwei mündliche Prüfungen an und am Donnerstag geht es zum ersten Mal in ein Partnerunternehmen.
Allerdings dürfe man den Zeitaufwand des Studiums nicht unterschätzen. „Das Studium mit dem Vollzeitjob in Einklang zu bringen, erfordert auf jeden Fall Disziplin“, sagt Katharina Fischer. Doch das Ziel, in ihrem Unternehmen mehr Verantwortung zu übernehmen, hält sie bei der Stange: „Aktuell bin ich Junior-Materialentwicklerin. Wenn ich fertig bin, fällt das Junior endlich weg, und ich kann selbst Projekte übernehmen, Rezepturen entwickeln und Materialien ausarbeiten.“
Das WBS auf einen Blick
Das Weiterbildungsstudium Kautschuktechnologie (WBS) der Leibniz-Universität Hannover am Deutschen Institut für Kautschuktechnologie (DIK) e. V. in Hannover richtet sich an Fachkräfte mit Berufserfahrung, etwa nach einer abgeschlossenen, möglichst akademischen Ausbildung. Das berufsbegleitende Studium vermittelt vertieftes Wissen in Kautschukchemie, Verarbeitung, Rheologie und Konstruktion.
Ablauf und Umfang. Der einjährige Studiengang mit zwei Semestern besteht seit 1985 und kostet rund 11.000 Euro. Zum Programm gehören elf Präsenzphasen am DIK mit jeweils vier Tagen Seminar und Prüfungen, dazu drei Exkursionswochen mit Besuchen in rund 20 Unternehmen der Branche.
Zulassung und Abschluss. Voraussetzung für die Zulassung sind ein Hochschulabschluss, gleichwertige Aufbaukurse am DIK oder eine vergleichbare praktische Qualifikation. Der Abschluss ist ein anerkanntes Zertifikat, das für Führungsaufgaben in der Kautschukindustrie qualifiziert.
Karrierevorteile. Die Absolventen profitieren von der Verbindung aus wissenschaftlicher Lehre und Praxiswissen: Unterrichtet wird von Universitätsprofessoren ebenso wie von Experten aus der Branche.
Weitere Informationen zum Weiterbildungsstudium Kautschuktechnologie finden sich online unter: www.dikautschuk.de/aus-und-weiterbildung/wbs