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Aus- und Fortbildung

Wie ein Reifenhersteller Fachkräfte bindet

Pirelli baut eine neue Lehrwerkstatt – doppelt so groß, mit Robotik und 3D-Druck. Sogar die Azubis haben mit angepackt

von Roman Winnicki

· Lesezeit 4 Minuten.
Viel mehr Platz, moderne Technik: Für die Ausbildung junger Fachkräfte hat Pirelli die Lehrwerkstatt im hessischen Breuberg deutlich aufgerüstet. Foto: Adrien Gacon/Pirelli

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Pirelli hat seine Lehrwerkstatt in Breuberg auf 430 Quadratmeter und 40 Arbeitsplätze erweitert – mit Robotik, 3D-Druck und einer Sustainability Corner. 
  • Auszubildende waren am Aufbau der neuen Werkstatt aktiv beteiligt und konnten ein reales Projekt von der Planung bis zur Umsetzung begleiten. 
  • Kunststoff- und Kautschuktechnologen sowie Maschinen- und Anlagenführer bildet Pirelli vor Ort gezielt aus – beide Berufe sind zentrale Bausteine für die Produktion.
 

Breuberg. Wer die neue Lehrwerkstatt von Pirelli Deutschland im hessischen Breuberg betritt, sieht nicht einfach nur viel größere Räume, mehr Arbeitsplätze und modernere Technik als bisher. Der Umbau zeigt, welchen Stellenwert die Ausbildung beim Reifenhersteller hat: Sie soll nicht nebenher laufen, sondern gezielt den Standort stärken und den Fachkräfte-Nachwuchs von morgen sichern. 

Für Thomas Michel, Chief Technical Officer von Pirelli Deutschland, handelt es sich nicht bloß um eine Investition in Infrastruktur, sondern um ein Signal: „Die Lehrwerkstatt ist unsere Antwort auf die Frage, wie industrielle Ausbildung zukunftsfähig gestaltet werden kann.“ Es geht nicht nur um bessere Bedingungen für die Auszubildenden, sondern um die Frage, wie ein Industriestandort langfristig Fachkräfte gewinnt und bindet.

40 Arbeitsplätze und moderne Technik für Azubis

Das zeigt sich schon in den Zahlen. Die neue Lehrwerkstatt misst rund 430 Quadratmeter, der bisherige Bereich kam auf 210. Statt bislang 18 stehen nun 40 Ausbildungsarbeitsplätze zur Verfügung. Und auch der „Werkzeugkasten“ ist jetzt viel moderner: Pirelli nennt 3D-Druck-Technologie, Robotik-Anwendungen, Elektroniker-Boards, Simulationsmöglichkeiten – und eine „Sustainability Corner“, in der nachhaltige Produktionsprozesse vermittelt werden können. 

Damit rückt die Ausbildung näher an das heran, was im Betrieb später gebraucht wird. Die Lehrwerkstatt dient dabei nicht nur der Basisqualifizierung von Auszubildenden. Sie soll auch neue Schulungs- und Qualifizierungsangebote für andere Mitarbeitergruppen ermöglichen.

Azubis bauen die Lehrwerkstatt selbst mit auf

Bemerkenswert ist, dass Pirelli-Auszubildende am Aufbau der neuen Lehrwerkstatt beteiligt waren. Sie halfen etwa bei Renovierungen, der Vorbereitung der Netzwerkinfrastruktur und beim Aufbau der Werkbänke. „Der größte Mehrwert lag nicht in einer Kostenersparnis, sondern im Lerneffekt“, betont das Unternehmen. Die jungen Leute konnten ein reales Projekt von der Planung bis zur Umsetzung begleiten und Verantwortung übernehmen. So kann Ausbildung im besten Fall funktionieren: nicht als Übung im abgeschirmten Raum, sondern als konkrete Arbeit an einer echten Aufgabe.

430 Quadratmeter und 40 Arbeitsplätze: Pirelli investiert in die technische Ausbildung junger Fachkräfte. Foto: Fotos: Adrien Gacon/Pirelli

Neue Fachklassen verkürzen den Weg zur Berufsschule

Zum Ausbildungsengagement am Standort Breuberg gehören auch die neuen Fachklassen für Kunststoff- und Kautschuktechnologie sowie für Maschinen- und Anlagenführer am Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis in Michelstadt. Ab sofort sollen Auszubildende dieser Berufe dort wohnortnah unterrichtet werden. Bislang mussten sie für den schulischen Teil der Ausbildung nach Darmstadt fahren, im dritten Ausbildungsjahr nach Gelnhausen – beide Orte sind jeweils rund 75 Kilometer entfernt. Die neuen Fachklassen verkürzen die Wege deutlich, das verbessert die Rahmenbedingungen für Auszubildende spürbar.

Pirelli bildet für die Reifenproduktion in der Region aus

Gerade für einen Standort wie Breuberg ist das wichtig. Von den derzeit mehr als 130 Auszubildenden und dual Studierenden bei Pirelli absolvieren 14 die Ausbildung zum Kunststoff- und Kautschuktechnologen, zwölf lernen den Beruf des Maschinen- und Anlagenführers. Beide Qualifikationen sind nach Unternehmensangaben zentrale Bausteine für die High-Value-Produktion vor Ort.

39 neue Azubis und dual Studierende starten 2026

Zum Ausbildungsbeginn 2026 starten wieder 39 Auszubildende und dual Studierende bei Pirelli in Breuberg: „Damit bewegen wir uns seit mehreren Jahren auf einem konstant hohen Niveau von rund 40 Neueinstellungen jährlich.“ Die Übernahmequote liegt übrigens bei stolzen 100 Prozent.

All das spricht für eine Strategie, die in vielen Unternehmen zwar formuliert, aber nicht immer auch umgesetzt wird. Die Lehrwerkstatt, die Fachklassen und die Ausbildungszahlen zeigen, wie eng Pirelli Ausbildung und Standortentwicklung zusammendenkt. In Breuberg sieht man beispielhaft, wie Fachkräfte möglichst früh an einen Industrie-Standort gebunden werden können.

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Über den Autor

 Roman Winnicki

Roman Winnicki

Redakteur

Sprachen waren seine erste Schwäche: Roman Winnicki studierte Polnisch und Italienisch. Doch auch mit Zahlen fühlt er sich wohl, weshalb ein VWL-Studium folgte. Beruflich war er unter anderem in Wirtschafts- und Fachverlagen tätig, berichtete über Kunststoff- und Kautschukmärkte und war nebenbei als Übersetzer tätig. Seit 2023 verantwortet er die Redaktion des KAUTSCHUK-Magazins. Privat frönt er der „Fußlümmelei“: Wann immer es geht, haut er das Runde ins Eckige