Gesundheits-Tipps
Ausgeruhter in den Tag
Schlafmangel im Job: Was Unternehmen und Beschäftigte tun können
von Elke Bieber
Das Wichtigste in Kürze
- 60 Prozent der Menschen kommen werktags auf weniger Schlaf, als sie bräuchten; fast jeder Dritte kann nicht durchschlafen.
- Schlafmangel beeinträchtigt Leistungsfähigkeit und Reaktionsvermögen. Laut Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung werden 13 Prozent aller Arbeitsunfälle durch Müdigkeit verursacht.
- Betriebe können Schlafgesundheit im Rahmen der Gesundheitsförderung aufgreifen und damit Arbeitsorganisation, Pausenkultur und Belastungsspitzen in den Blick nehmen.
Zu wenig – zu schlecht – zu oft unterbrochen: Geht es um Schlaf in Deutschland, kann man sich manchmal nur die Augen reiben. Sieben bis acht Stunden müssten es eigentlich für die meisten Menschen sein, das zeigen Studien von Schlafforschern. 60 Prozent der Menschen kommen jedoch werktags auf weniger Schlaf, als sie bräuchten. Und fast jeder Dritte, so berichtet das Robert-Koch-Institut, kann nicht durchschlafen. Die Folge: Die Hälfte der Berufstätigen fühlt sich im Job müde – das zeigt eine Schlafstudie der Pronova BKK.
Schlaf ist aktive Erholung
Woran liegt es, dass wir unseren Schlaf oft so vernachlässigen? Schlaf werde häufig als passiver Leerlauf gesehen, sagt Nora Johanna Schüth vom Fachbereich Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa). Ein großes Missverständnis: Schlaf ist nicht passiv, vielmehr „handelt es sich um einen aktiven Regenerationsprozess, in dem körperliche, neurologische und hormonelle Prozesse ablaufen“, so Schüth.
Ist diese Erholung gestört, zeige sich das oft schon am nächsten Tag: „Beschäftigte sind weniger leistungsfähig, reagieren langsamer und neigen eher zu Fehlreaktionen.“ Das beeinflusst dann auch die Arbeitsqualität – und die Sicherheit.
Müdigkeit als Sicherheitsrisiko
Wie ausgeruht man ist, spielt zum Beispiel bei der Arbeit mit Maschinen eine Rolle. Aber auch bei Steuerungs- und Überwachungsaufgaben und bei sicherheitskritischen Entscheidungen sollte man hellwach sein. „Schon kurze Konzentrationsabbrüche können hier schlimme Folgen haben“, betont Schüth. Das zeigt auch die Statistik: Nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung werden 13 Prozent aller Arbeitsunfälle durch Müdigkeit verursacht.
Schlafgesundheit im Betrieb fördern
Die ifaa-Expertin schlägt vor, das Thema Schlaf im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung auf die Agenda zu nehmen. So können die Arbeitsorganisation, Pausenkultur, Erreichbarkeit, Belastungsspitzen und die Sensibilisierung für das Thema Einfluss darauf haben, ob sich Beschäftigte ausreichend erholen.
„Schlafgesundheit ist kein Randthema, sondern betrifft viele Beschäftigte“
- Nora Johanna Schüth, ifaa
Dabei helfen die Krankenkassen. Zu den Angeboten für Unternehmen zählen Workshops und kurze Impulse zu Schlafhygiene und Entspannung. Die Pronova BKK etwa hat auch einen Schlafparcours im Programm: Bei dem interaktiven Präventions- und Informationsangebot lernen Beschäftigte etwa, wie sich Licht, Koffein, Bewegung und Bildschirmnutzung auf den Schlaf auswirken. Und sie bekommen Tipps, wie sich Tagesschläfrigkeit und das Müdigkeitsrisiko erfassen lassen. Per VR-Brille und anhand angeleiteter Entspannungstechniken können sie zudem üben, besser in den Schlaf zu kommen.
Routinen statt Schlafmittel
Meist keine dauerhafte Lösung bei Schlafproblemen sind dagegen Medikamente. Viele versuchen es dennoch auf diesem Weg: Der Pronova-Studie zufolge nahmen im Jahr 2024 mehr als ein Fünftel der Menschen in Deutschland verschreibungspflichtige Schlafmittel ein – trotz des Abhängigkeitsrisikos.
Schlafprobleme können körperliche Ursachen haben und eine Folge anderer Erkrankungen sein – deshalb ist eine genaue ärztliche Untersuchung nötig, bevor man zu Schlafmitteln greift. Digitale Tools und Routinen dagegen kann man einfach ausprobieren (siehe Kasten). Aber oft hilft es schon, auf diese wichtigen Faktoren zu achten:
Schlafumgebung: Der Schlafraum sollte angenehm kühl, dunkel und ruhig sein. Deshalb das Schlafzimmer immer gut lüften und bei Bedarf Schlafmaske und Ohropax nutzen.
Regelmäßigkeit: Feste Bett- und Aufstehzeiten geben Stabilität.
Schlafpartner: Schnarchen stört. Manchmal rettet eine kurzzeitige räumliche Trennung die Nachtruhe.
Symptom-Check: Regelmäßige starke Tagesmüdigkeit hat Ursachen – gehen Sie diesen auf den Grund.
Konsum: Alkohol verschlechtert die Schlafqualität ebenso wie Energydrinks.
Auch wenn jeder selbst viel tun kann: „Schlafprobleme sind weit verbreitet und sollten nicht als persönliches Versagen verstanden werden“, sagt Schüth. Wichtig ist, dass man sie ernst nimmt – und nicht einfach weggähnt.
Hilfreiche Routinen und Apps
Digitaler Sonnenuntergang: Entziehen Sie sich in den letzten 60 Minuten des Tages dem Sog des Algorithmus.
Mentale Entlastung: Schreiben Sie abends Ihre Sorgen auf und legen Sie die Notizen dann beiseite. Meiden Sie aufwühlende Debatten und Themen.
Schlafometer: Dieses Tool der Berufsgenossenschaft gibt unter anderem Aufschluss über das individuelle Schlafverhalten und liefert Tipps: vbg-schlafometer.de
Snorefox Medical: Diese medizinische App erkennt, ob ein Schlafapnoe-Risiko besteht. Etliche Betriebskrankenkassen (BKK) stellen sie kostenfrei zur Verfügung.
Über die Autorin
Elke Bieber
Autorin und Redakteurin
Elke Bieber studierte Geschichte, Politik und Publizistik in Mainz, Berlin und Washington, D.C. Nach dem Magazin-Volontariat folgte der Einstieg in die Unternehmenskommunikation, print und digital. Schwerpunktthemen: berufliche Bildung, Weiterentwicklung und Transformation. Zu ihren Hobbys zählt außer Schwimmen und Wandern auch Seiten umblättern und Gehirnzellen upgraden.