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Der Einwuff

Der Einwuff: 47 Nachrichten bis zum Wiedersehen

Warum Treffen heute oft an Kalendern scheitern – und Arbeit zur letzten regelmäßigen Verabredung wird

von Bonzo, dem Ballonhund

· Lesezeit 2 Minuten.
Der Einwuff: Bonzo ist das Maskottchen der Kautschukindustrie bei der IdeenExpo. Illustration: IW Medien

Neulich saß mein Herrchen auf dem Sofa und tippte was in seine Whatsapp-Kumpel-Gruppe: „Wir müssen uns mal wieder treffen.“ Darauf kamen drei Herzchen und ein Daumen hoch. „Yeeees, wuff“, dachte ich, sprang schon mal zur Tür. Doch dann passierte: nichts.

Das hat mich irritiert. Wenn wir Hunde uns treffen wollen, fangen wir an zu bellen, holen die Leine, damit ihr versteht: Wir wollen jetzt raus, Leute! Alles in der Hoffnung, vielleicht im Park auf einen bekannten Vierbeiner zu treffen. So auf Verdacht halt.

Ihr Menschen habt’s da eigentlich viel leichter, seid jederzeit miteinander verbunden. Also, theoretisch. Nur wirklich zusammen seid ihr offenbar immer seltener. Laut aktuellem Freizeit-Monitor ist „Freundetreffen“ eigentlich eure wichtigste soziale Freizeitaktivität. Bloß: Nur noch knapp jeder Fünfte tut das noch regelmäßig.

Der Wunsch ist also da. Doch zwischen Wunsch und Treffen liegen bei euch inzwischen Kalender, Terminabfragen – und viele Textnachrichten. Erst schreibt jemand: „Wie wäre es nächste Woche?“ Dann ist einer auf Dienstreise, eine hat Sport, der andere ist da „leider schon total voll“. Nach 47 Nachrichten gibt es drei mögliche Termine – im übernächsten Monat. Danach schweigt die Gruppe wieder. Effizient ist anders.

Also, zum Glück habt ihr ja noch eure Arbeit. Da begegnet ihr noch anderen Menschen. Sogar ohne jedes Treffen einzeln organisieren zu müssen. Okay, vielleicht nicht denen, die ihr euch freiwillig ausgesucht hättet. Aber sie sind da. Analog. In voller Größe. Zum Anfassen. Manchmal bringen sie euch vielleicht sogar einen Kaffee. Das Büro oder die Werkhalle ist damit womöglich eure letzte regelmäßige Verabredung. Nicht besonders romantisch, aber zuverlässig.

Mein Herrchen hat übrigens wieder aufs Handy geschaut. Ein weiteres Herzchen. Die Tür blieb zu. Jaul!

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