Kautschuk im Alltag
Regen im Griff
Wie sich der Regenschirm vom Schattenspender zum Schutz vor Regen entwickelte
von Roman Winnicki
Das Wichtigste in Kürze
- Die Vorläufer des Regenschirms spendeten Schatten; erste Regenschirme lassen sich um die Zeitenwende datieren.
- Für das Dach moderner Regenschirme werden meist Polyester oder Nylon verwendet, die durch Beschichtung oder Imprägnierung Regen abperlen lassen.
- Kunststoff steckt auch in Griff, Schieber und Schutzhülle; je nach Modell sorgen Gummi oder thermoplastische Elastomere für einen weichen, rutschfesten Griff.
Regen und Erinnerung
Regen kann glücklich machen. Wenn dicke Tropfen gegen die Fensterscheibe trommeln, die Luft frisch riecht oder ein warmer Schauer im Gesicht kitzelt, werden bei vielen Kindheitserinnerungen wach. Das gleichmäßige Plätschern legt sich wie ein Klangteppich über die Geräusche des Alltags und wirkt beinahe meditativ. Forscher erklären das evolutionsbiologisch: Denn für unsere Vorfahren bedeutete Regen oft eine Pause im sicheren Unterschlupf.
Vom Schatten zum Schutz
Auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen verliert Regen allerdings schnell seinen Zauber. Gut, wer dann einen Schirm dabeihat. Seine Vorläufer hatten jedoch einen anderen Zweck: Sie spendeten Schatten. Das englische Wort „umbrella“ erinnert noch daran. Es geht auf das lateinische „umbra“ zurück, den Schatten.
Sonnenschirme gibt es seit etwa 4.000 Jahren. Einst waren sie dem Adel vorbehalten und galten als Zeichen von Macht und Wohlstand. Die Schattenspender bestanden aus Palmblättern, Papyrusmatten oder Federn. Erste Regenschirme lassen sich um die Zeitenwende datieren. In China wurde Papier über Bambusgestelle gespannt und mit Tungöl wasserabweisend gemacht.
Was den Schirm wasserdicht macht
Moderne Regenschirme bestehen aus unterschiedlichen Materialien. Für das Dach werden meist Polyester oder Nylon verwendet: leichte und reißfeste Kunstfasern, an denen Regen dank Beschichtung oder Imprägnierung abperlt. Kunststoff steckt auch in Griff, Schieber und Schutzhülle. Für einen weichen, rutschfesten Griff sorgen je nach Modell Gummi oder thermoplastische Elastomere, kurz TPE.
Sobald die ersten Tropfen fallen
Mit der nassen Jahreszeit beginnt für den Regenschirm wieder die Hauptsaison. Sein größtes Talent: genau dann zu fehlen, wenn man ihn braucht. Denn kaum ein Alltagsgegenstand ist schneller vergessen, wenn die Sonne scheint, und begehrter, sobald die ersten Tropfen fallen.
Über den Autor
Roman Winnicki
Redakteur
Sprachen waren seine erste Schwäche: Roman Winnicki studierte Polnisch und Italienisch. Doch auch mit Zahlen fühlt er sich wohl, weshalb ein VWL-Studium folgte. Beruflich war er unter anderem in Wirtschafts- und Fachverlagen tätig, berichtete über Kunststoff- und Kautschukmärkte und war nebenbei als Übersetzer tätig. Seit 2023 verantwortet er die Redaktion des KAUTSCHUK-Magazins. Privat frönt er der „Fußlümmelei“: Wann immer es geht, haut er das Runde ins Eckige