Portal für Beschäftigte in der Kautschuk- und Kunststoffindustrie

Kautschuk-Konjunktur

Deutschland verliert Gummi

Weniger Umsatz, weniger Jobs: Die Kautschukindustrie steckt tief in der Krise

· Lesezeit 4 Minuten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Weniger Produktion, weniger Umsatz, weniger Stellen: Für die Kautschukindustrie zeigt die Kurve weiter nach unten
  • Chinesische Billigimporte, Energiekosten, Bürokratie: Der Standort Deutschland verliert an Attraktivität
  • Investitionen fließen ins Ausland – in Deutschland wird vor allem noch geforscht

     

„Made in Germany“ wird zu teuer

2025 wurde es in den Werkhallen der deutschen Kautschukindustrie abermals leiser. Zum vierten Mal in Folge sank die Produktion, diesmal um 6,4 Prozent. Dass weniger gefertigt wurde, zeigt auch der Rohstoffverbrauch: Er ging auf 490.000 Tonnen zurück, das sind knapp 6 Prozent weniger als im Vorjahr. Noch stärker fiel der Rückgang beim Umsatz aus: 10,45 Milliarden Euro erwirtschafteten die Kautschukbetriebe – 8 Prozent weniger als 2024.
 

Hinter diesen Zahlen steht ein einfacher Befund: Ein zentraler Treiber ist der Preis. So beschreibt es der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (wdk) in seinem aktuellen Wirtschaftsbericht. Wo früher Qualität, Nähe und Verlässlichkeit zählten, rückte im vergangenen Jahr bei vielen Aufträgen der Kostenfaktor nach vorn. Für „made in Germany“ wird das gefährlich: Der Standort verteuert jedes Produkt – durch Energie, Bürokratie, Steuern und Arbeit.
 

Gleichzeitig wächst die Konkurrenz aus China. Die Volksrepublik lag 2025 bei den Einfuhren von Gummiprodukten erstmals vorn und steigerte ihr Volumen um fast 25 Prozent. Zudem, so der wdk, kommen aus China zunehmend höherwertige Komponenten.

Aufträge wandern ab

Der nächste Bruch zeigt sich im Autogeschäft. Mehr als 40 Prozent des Branchenumsatzes hängen an Reifen und technischen Gummiprodukten für die Mobilität. 2025 liefen in Deutschland zwar 4,15 Millionen Pkws vom Band, rund 80.000 mehr als im Vorjahr. Trotzdem blieb bei den Kautschukzulieferern weniger Arbeit hängen: Ihr Automotive-Geschäft verlor rund 8 Prozent. Der Grund: Aufträge wandern zunehmend an günstigere Anbieter ins Ausland. 
 

Auch bei Reifen wird die Luft dünner. Europäische Premium-Hersteller lieferten 2025 im größten Segment – Pkw- und Transporterreifen – mehr als 47 Millionen Stück an den Handel, knapp 1 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz verfehlte mit rund 1,7 Milliarden Euro dennoch deutlich das Vorjahresniveau. Gleichzeitig erreichten die Importe von Pkw-Reifen aus China und Südostasien einen neuen Höchststand.
 

Bewegung gibt es beim Recycling. Immer weniger Altreifen werden thermisch verwertet, also zur Energiegewinnung verbrannt. Stattdessen nimmt die stoffliche Verwertung zu – etwa als Granulat für Sport- und Spielplatzböden oder als Gummimehl für Asphalt. Doch jedes Jahr verschwinden mehr als 100.000  Tonnen Altreifen aus dem deutschen Recyclingmarkt in Richtung außereuropäischer Staaten, teils auf fragwürdigen oder illegalen Wegen.

10.000 Jobs weniger

Auch bei den Belegschaften zeigt die Kurve seit Jahren nach unten. 60.600 Menschen arbeiteten 2025 noch in der deutschen Kautschukindustrie – 3,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Es war bereits das fünfte Minusjahr in Folge. 

Insgesamt sind seit 2020 genau 10.000 Stellen weggefallen. Hinter dem Abbau stehen auch Werkschließungen und Verlagerungen: Viele Kautschukfirmen weichen den hohen Kosten in Deutschland aus – nicht, weil sie den Standort leichtfertig aufgeben, sondern weil sie wettbewerbsfähig bleiben müssen.

Trotzdem investieren die Kautschuk-Betriebe weiter. 760 Millionen Euro gaben sie 2025 aus, 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland fließt das Geld vor allem in Forschung und Entwicklung: Rund 5 Prozent des Branchenumsatzes stellten die Unternehmen dafür bereit: für neue Produkte, bessere Prozesse und mehr Kreislaufwirtschaft, etwa durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen.

Was hierzulande allerdings kaum noch passiert, ist der Ausbau von Gebäuden und Produktionsanlagen. Die entsprechenden Budgets gehen laut wdk derzeit nahezu ausschließlich ins Ausland.

Der Gegenwind bleibt

Für 2026 erwarten die Kautschukbetriebe keinen Befreiungsschlag – das ist der Tenor einer aktuellen wdk-Mitgliederumfrage. Die Produktion dürfte demnach um 1 Prozent sinken. Auch die Auftragseingänge entwickeln sich verhalten. Im Inland rechnen die meisten Betriebe mit Stagna­tion oder Rückgang, Gleiches gilt für das Geschäft mit dem Ausland. 

Hinzu kommt eine Lage, die der wdk als disruptiv beschreibt. Geopolitische Spannungen, etwa rund um die Straße von Hormus, machen Lieferwege unsicher und verteuern die Beschaffung von Kautschukrohstoffen und weiteren Vorprodukten. In der Umfrage rechnen darüber hinaus 91 Prozent der Betriebe mit drohenden Transportkostenzuschlägen, 84 Prozent mit steigenden Rohstoffkosten und 64 Prozent mit Energiekostenzuschlägen. Von Rückenwind ist auch 2026 wenig zu spüren. 

  • PDF