Portal für Beschäftigte in der Kautschuk- und Kunststoffindustrie

Der Einwuff

Der Einwuff: Ein Hype kommt selten allein

Wenn ein Trend Millionen erreicht, stoßen Produktion und Lieferketten an ihre Grenzen

von Bonzo, dem Ballonhund

· Lesezeit 2 Minuten.
Bonzo ist das Maskottchen der Kautschukindustrie bei der IdeenExpo. Foto: Lars Kaletta

Also, ich als Ballonhund, ich schnüffle ja ganz gern mal so durch eure Welt. Neulich im Supermarkt. Ich, schön versteckt in Frauchens Handtasche, darf ja eigentlich nicht mit rein da. Lug so übern Rand und was seh ich? Aufgeregte Zweibeiner vorm Kühlregal. Frauchen hat mir später erklärt, was ihr da sucht: Skyr. Diesen isländischen Joghurt, den plötzlich alle haben wollen. Stichwort: Tiktok-Trend.

Nun stand das Zeug ja jahrelang ziemlich unbeachtet herum, so wie mein Trockenfutter. Fettarm, proteinreich, gesund: okay – aber für euch wohl nicht aufregend genug. Und jetzt? Skyr im Cheesecake, zum Frühstück, Skyr sogar als Energydrink (da schüttelt’s mich, jaul). Und warum? Weil irgendwo im Internet ein paar Rezeptvideos viral gegangen sind.

So funktioniert das wohl bei euch. Früher entschieden Werbung, Preise oder ein Sonderangebot darüber, was sich gut verkauft. Heute reicht ein Clip auf Social Media – und ein ganz normales Produkt wird über Nacht zum It-Piece. Ein bisschen erinnert mich das an eure legendären Hamsterkäufe. Ihr wisst schon – damals, als ihr während Corona Klopapier gestapelt habt. Wobei, gut, das war noch mal eine andere Geschichte.

Jedenfalls: Dieser kleine Skyr-Engpass zeigt mir ziemlich gut, wie eure Wirtschaft funktioniert. Social Media kann Trends anheizen, klar. Ein Video, ein Hashtag, ein Hype – und plötzlich wollen Millionen Menschen dasselbe Produkt.

Nur: Die reale Wirtschaft arbeitet nicht im Tiktok-Takt. Produktion braucht Zeit. Lieferketten brauchen Planung. Rohstoffe müssen erst einmal da sein. Eine Molkerei kann ihre Kapazitäten nicht einfach über Nacht verdoppeln, nur weil der Algorithmus gerade begeistert mit der Rute wedelt. Oder anders gesagt, so aus der Sicht eines solidarischen Vierbeiners: Der Algorithmus ist schnell. Die Kuh nicht. Und wisst ihr was? Das ist auch ganz gut so.
 

  • PDF