Der Einwuff
Der Einwuff: Winter ist keine Krise, sondern Wetter
Ein paar Schneeflocken, viel Alarm. Während Warnlampen angehen, zeigen Industriebeschäftigte, was Pragmatismus ist
von Bonzo, dem Ballonhund
Hach, herrlich, ich war gerade draußen. Gassi gehen. Schnee unter den Pfoten, eiskalte Nase – nennt sich: Winter. Für mich heißt das: Herrchen herbeibellen, Leine dran, los geht’s! Für euch Menschen aber heißt das offenbar: reflexhaft ab in den Krisenmodus.
Kaum rieselt es richtig weiß vom Himmel, gehen bei euch die Warnlampen an. Die Tagesschau eröffnet mit dem Wetter, die Schule fällt aus, die Bahn stellt vorsorglich den Betrieb ein, Schlagzeilen bellen was von „Schneekatastrophe“, noch bevor ich meinen Lieblingsbaum erreicht habe.
Mich irritiert das. Ihr redet doch ständig von Resilienz, von Krisenfestigkeit, von Wettbewerbsfähigkeit. Große Worte, oft gehört. Und dann reicht ein bisschen Schnee, damit ihr kollektiv im Warmen bleibt? Also, ich bin da härter, ich gehe bei jedem Wetter raus. Okay, zugegeben, muss ich ja auch.
Immerhin: Jene Resilienz, die ließ sich ja durchaus auch beobachten. In den Werkhallen der Kautschukfirmen zum Beispiel. Während draußen Krisengebell zu hören war, standen Zehntausende Beschäftigte trotzdem pünktlich zu Schichtbeginn auf der Matte. Und machten einfach ihre Arbeit, so wie immer. Unaufgeregt. Trotz Schnee. Trotz Kälte. Maschinen laufen, Prozesse laufen, Arbeit läuft. Da wird nicht lange diskutiert, da wird gemacht.
Mein Einwuff: Das Problem ist eigentlich nicht der Schnee. Das Problem ist euer Umgang damit. Zehn Zentimeter Weiß – und ihr bellt die Katastrophe herbei. Dabei ist doch bloß: Winter. Vor nicht allzu langer Zeit hättet ihr so ein schnödes Tiefdruckgebiet schulterzuckend hingenommen. Heute reagiert ihr mit prophylaktischer Paralyse. Klar, Vorsicht ist immer gut. Aber Übertreibung, die hilft niemandem.
Mein Vorschlag: Leine nehmen, Tür auf, losgehen. Mehr Pragmatismus, weniger Panik. Und falls ihr vergessen habt, wie das geht, fragt einfach mal in den Kautschuk-Betrieben nach. Wuff!