Branchen-News
Was die Branche im Februar bewegt
Jobabbau in der Kautschuk- und Kunststoffindustrie, Gummi aus Birkenrinde, und Plastik aus Gartenabfällen – die News
von Roman Winnicki
Kautschuk und Kunststoff: Beschäftigung schrumpft
Stuttgart. Die Beschäftigung in der deutschen Kautschuk- und Kunststoffindustrie ist im dritten Quartal 2025 erneut gesunken. Wie aus dem jüngsten Industriebarometer der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervorgeht, ging sie im Vorjahresvergleich um 2,6 Prozent zurück. Binnen eines Jahres fielen rund 8.600 Stellen weg. Seit dem dritten Quartal 2019 summiert sich der Personalabbau in der Branche somit auf mehr als 41.500 Arbeitsplätze. Damit entwickelte sich der Wirtschaftszweig schwächer als die deutsche Industrie insgesamt.
Branchenübergreifend sank die Beschäftigung um 2,2 Prozent auf 5,43 Millionen Erwerbstätige, was einem Rückgang von 120.300 Stellen entspricht. Den stärksten Rückgang verzeichnete im Vorjahresvergleich die Autoindustrie mit 49.000 weniger Stellen, gefolgt vom Maschinenbau mit 20.900 weniger Stellen. Beim Umsatz lag die Kautschuk- und Kunststoffindustrie im dritten Quartal 0,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die deutsche Industrie insgesamt erzielte im selben Vergleichszeitraum einen Umsatz von 525 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 0,5 Prozent entspricht. Zuwächse gab es lediglich im Maschinenbau (+6,4 Prozent) und in der Elektroindustrie (+5,0 Prozent).
Gartenabfälle werden zu Kunststoff
Oldenburg. Forschende der Universität Oldenburg entwickeln einen vollständig biobasierten Kunststoff aus organischen Abfällen wie Grünschnitt, Heu und Algen. Ziel des vom Bundesforschungsministerium geförderten Vorhabens „EcoPBS“ ist die Herstellung von Polybutylensuccinat (PBS), das zu 100 Prozent aus organischen Reststoffen bestehen und sich biologisch abbauen lassen soll. Das Ministerium unterstützt das Projekt mit rund 2,7 Millionen Euro.
PBS weist nach Angaben der Forschenden ähnliche Materialeigenschaften auf wie gängige Kunststoffe wie Polypropylen und Polyethylen. Bislang sei es jedoch noch nicht gelungen, ein vollständig biobasiertes Material zu entwickeln, das zugleich komplett recycelbar ist und dessen Herstellungsverfahren industriegerecht sind. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt daher auf energie- und kosteneffizienten Prozessen sowie fermentativen Verfahren mit stabilen Mikroorganismen. Das erste vollständig biobasierte PBS soll künftig für Medizinprodukte, Fahrzeugbauteile, Isolierungen und Verpackungen erprobt werden.
Bio-Kautschuk aus Birkenrinde
Stockholm. Im Rahmen des EU-Projekts „NORDIC BIO-RUBBER” entwickelt das schwedische Unternehmen Reselo AB einen Kautschuk auf Basis von Birkenrinde.
Dieser soll fossile Rohstoffe ersetzen und die Klimarisiken in der Kautschukindustrie reduzieren. Laut Projektangaben ist die Rohstoffbasis, Birkenrinde aus der Papier- und Holzindustrie, in Europa weit verbreitet. Die Projektentwickler berichten, dass der sogenannte „Reselo Rubber“ technisch erprobt ist und sich in bestehende Fertigungslinien integrieren lässt. „Unser Material ist zu 100 Prozent biobasiert und wird, wenn es im industriellen Maßstab hergestellt wird, einen um bis zu 90 Prozent geringeren CO2-Fußabdruck haben als herkömmliche, auf fossilen Rohstoffen basierende Kautschuke“, sagt Thomas Baumgarten, der technische Leiter des Projekts.
Nach Einschätzung der Projektbeteiligten hängt die kommerzielle Produktion maßgeblich von geeigneten politischen Rahmenbedingungen wie etwa einer kohlenstoffbasierten Besteuerung oder Anreizen für biobasierte Werkstoffe ab. Erste Anwendungen mit Industriepartnern wurden bereits erprobt, größere Produktionsvolumina wurden jedoch noch nicht erreicht.
Kunststofffolienindustrie erwartet schwaches Jahr 2026
Bad Homburg. Die Unternehmen der deutschen Kunststoffverpackungs- und Kunststofffolienindustrie blicken mit gedämpften Erwartungen auf das Jahr 2026: Nach einer aktuellen Verbandsumfrage der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) stufen rund sieben von zehn Betrieben die aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland als schlecht ein, während knapp drei von zehn sie als befriedigend beurteilen. Für das erste Quartal erwarten gut zwei Drittel der Firmen stabile Absatzmengen. 18 Prozent rechnen mit Rückgängen und 16 Prozent mit einem Anstieg. Im Exportgeschäft stellen sich die meisten auf unveränderte Bedingungen ein.
Bei der Ertragslage dominiert die Vorsicht. Rund die Hälfte der Unternehmen erwartet ein stabiles Niveau, 41 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung und 9 Prozent mit einer Verbesserung. Die Rohstoffverfügbarkeit dürfte nach Einschätzung der Firmen überwiegend stabil bleiben. „Die Kunststoffverpackungsindustrie startet nach drei Krisenjahren in ein weiteres Übergangsjahr. Die Unternehmen hoffen auf konjunkturelle Bodenbildung, sehen aber vorerst keinen Spielraum für Wachstumssprünge“, so Dr. Laura Müller, Referentin für Wirtschaft bei der IK.