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Kautschuk im Alltag

Zieht sich wie …

… Kaugummi: Das Produkt ist in aller Munde und seine Geschichte reicht weit zurück

von Roman Winnicki

· Lesezeit 2 Minuten.
Foto: pixelrobot – stock.adobe.com

10 Pfennig in den Schlitz, den Hebel nach rechts gedreht. Es hakt kurz – und ratsch: Operation erfolgreich. Schnell die Hand aufhalten! Für Nostalgiker ist er ein Symbol für Kindheit: der rote Kaugummiautomat, der einst an nahezu jeder Straßenecke hing. Doch warum heißen die bunten Kugeln eigentlich Kaugummi? Und was kauen wir da überhaupt?

Die Geschichte des Kaugummis begann schon vor rund 10.000 Jahren: Da kauten Menschen im heutigen Skandinavien auf Birkenpech – vermutlich zur Mundhygiene oder gegen Schmerzen. In der Antike war dann Mastix, das Harz der Mastixsträucher, auch wegen seines Geschmacks geschätzt. In Mittelamerika nutzten die Maya und Azteken den Latex des Sapotillbaums, „Chicle“ genannt: Der beim Erhitzen gummiartig werdende Saft wurde aus rituellen und hygienischen Gründen verwendet. Zum modernen Kaugummi wurde Chicle vor etwa 170  Jahren, als der Erfinder Thomas Adams daran scheiterte, aus dem Stoff Spielzeug oder Reifen herzustellen.

Denn Adams gab nicht auf! Er mischte Chicle gezielt mit Zucker und etablierte damit kommerziell das „Chewing Gum“. Kauen plus Gummi: Der Name war Programm. Was heute im Mund zermahlen wird, hat allerdings mit Birkenpech oder Chicle nur wenig zu tun – und ist auch meist kein Naturprodukt mehr.

Der Kern moderner Kaugummis ist eine Masse aus Polymeren wie Butylkautschuk oder Polyvinylacetat – synthetische Stoffe auf Erdölbasis, die elastisch sind und sich nicht zersetzen. Um Konsistenz und Kaugefühl zu steuern, werden Wachse und Harze beigemischt. Süße liefern heute meist Zuckerersatzstoffe. Dazu kommen Feuchthaltemittel, Füllstoffe sowie Aromen und Farbstoffe.

Diese moderne Kaumasse ist gesundheitlich unbedenklich, lebensmittelecht und chemisch stabil. Verschluckt wird sie übrigens nicht verdaut, sondern einfach wieder ausgeschieden. Hartnäckig bleibt Kaugummi allerdings anderswo: als klebriger Fleck auf dem Gehweg oder unter dem Schuh – und hält leider deutlich länger als zuvor der Geschmack.

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