Kautschuk-Konjunktur
Hohe Kosten gefährden Investitionen und Arbeitsplätze
Teure Energie, teure Rohstoffe: Der Iran-Krieg beschert der ohnehin schwächelnden Gummibranche zusätzliche Probleme
von Thomas Hofinger
Das Wichtigste auf einen Blick:
Der Iran-Krieg hat einen Kostenschock bei Energie und ölbasierten Produkten ausgelöst – mit zweistelligen Preissteigerungen, die direkt auf die Margen der Betriebe durchschlagen.
Mehr als 40 Prozent der Unternehmen investieren weniger – das führt laut wdk zu Personal- und Kapazitätsanpassungen.
Die EU hat Antidumpingzölle auf chinesische Pkw-Reifen erhoben. Der wdk fordert zudem schnelle Entlastungen bei Energiekosten und Bürokratie in Deutschland.
Frankfurt. Die Kautschukindustrie hängt ziemlich in den Seilen – und muss jetzt einen neuen harten Schlag verkraften: Durch den Iran-Krieg gab es einen „Kostenschock im Energiesektor und bei ölbasierten Produkten mit deutlich im zweistelligen Prozentbereich liegenden Kostenzuwächsen“. Das stellt der neue Konjunkturbericht des Wirtschaftsverbands der deutschen Kautschukindustrie (wdk) fest. Und „zumindest die ersten Monate“ dieses Kostenschocks bleiben zahlenmäßig bei den verarbeitenden Betrieben hängen, wie wdk-Chefvolkswirt Michael Berthel erklärt: „Das schlägt auf die ohnehin schmale Marge.“ Weniger Gewinn heißt aber ziemlich automatisch auch: weniger Investitionen. „Die Investitionszurückhaltung von mehr als 40 Prozent der Unternehmen bedingt Personal- und Kapazitätsanpassungen“, macht Berthel klar.
Warum die Kautschukindustrie unter Kostendruck gerät
Die für die Produktion benötigten Rohmaterialien bleiben zwar immerhin verfügbar – aber sie sind und bleiben auch sehr teuer. Der wdk-Rohstoffindex für eine typische Naturkautschuk-Mischung ist auf den höchsten Stand seit rund zwei Jahren geklettert. Vier von fünf Unternehmen rechnen laut der aktuellen Verbandsumfrage derzeit nicht mit Rohstoffengpässen. Aber drei von vier Unternehmen erwarten auch nicht, dass die Rohstoffpreise im zweiten Halbjahr wieder sinken werden.
„Die Unternehmen sind also noch länger mit der volkswirtschaftlich sehr ungewöhnlichen Situation von hohen Kosten bei fehlender Nachfrage konfrontiert – ein Stresstest“, sagt der Experte.
Warum teure Rohstoffe und schwache Nachfrage Betriebe belasten
Besonders betroffen ist laut Berthel der Mobilitätssektor: „Sowohl bei Reifen als auch bei Gummikomponenten als Zuliefererbauteile für den Fahrzeugbau lasten die skizzierten Einflussfaktoren auf der Geschäftstätigkeit.“ Dazu kommen Überkapazitäten und ein schon deshalb enormer Wettbewerbsdruck.
Die EU erhebt jetzt Antidumpingzölle
Für viele Kunden sei der Preis – und nicht die Qualität – das ausschlaggebende Kriterium. Und da haben die chinesischen beziehungsweise asiatischen Hersteller einen deutlichen Vorteil. Allerdings: „Dieser Vorteil entspringt nachweislich nicht nur fairen Marktaktivitäten“, betont Berthel. „Nicht ohne Grund hat die EU-Kommission Anfang Juli Antidumpingzölle auf die Einfuhr chinesischer Pkw-Reifen erhoben.“
Was EU-Zölle und der Wettbewerbsdruck für die Branche bedeuten
Auch weitere handelspolitische Schutzmaßnahmen wie etwa eine europäische Präferenzregelung sind aus wdk-Sicht „gerechtfertigt und notwendig“.
Wobei auch für die Bundesregierung noch viel zu tun bleibt, um der Industrie aus der Krise zu helfen: „Wir brauchen schnell spürbare Entlastungen bei Energiekosten und bei der Bürokratie am Standort Deutschland.“
Über den Autor
Thomas Hofinger
Thomas Hofinger schreibt über Wirtschafts-, Sozial- und Tarifpolitik – und betreut die Ratgeber rund ums Geld. Nach einer Banklehre sowie dem Studium der VWL und der Geschichte machte er sein Volontariat bei einer großen Tageszeitung. Es folgten einige Berufsjahre als Redakteur und eine lange Elternzeit. In seiner Freizeit spielt er Schach und liest, gerne auch Comics.