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Gummi und Silikon treiben die Energiewende an – gebaut werden die Maschinen dafür bei Desma in Fridingen

von Barbara Auer

· Lesezeit 4 Minuten.
In der Werkhalle: Manuel Stricker ist Key Account Manager und strategischer Produktmanager bei Klöckner Desma in Fridingen. Foto: KAUTSCHUK/Roland Sigwart

Das Wichtigste in Kürze:

  • Klöckner Desma in Fridingen baut Maschinen für die Verarbeitung von Gummi und Silikon – mit wachsendem Fokus auf die Energiebranche
  • Die Kunden kommen oft schon mit einer Skizze: Desma entwickelt den gesamten Produktionsprozess – von der ersten Testform bis zur fertigen Anlage
  • Rund 500 Anlagen liefert das Unternehmen jedes Jahr an Kunden weltweit aus
 

Maßarbeit für neue Energietechnik

Fridingen. Manuel Stricker hält ein längliches graues Bauteil aus Silikon in der Hand und dreht es prüfend zwischen den Fingern. „Solche Teile produziert ein Kunde von uns in Nahost", sagt er. Was genau das ist, erkennt man nicht auf den ersten Blick. Tatsächlich steckt darin jedoch ein unscheinbares, aber wichtiges Detail moderner Energieinfrastruktur: ein sogenannter Terminator, ein Abschlusswiderstand. Er sorgt dafür, dass elektrische Signale am Ende einer Leitung nicht reflektiert werden – und ist damit unverzichtbar für den Ausbau von Netzverteilersystemen.

Gefertigt werden solche Teile auf Maschinen aus dem baden-württembergischen Fridingen. Dort entwickelt und baut Klöckner Desma Anlagen für die Verarbeitung von Gummi und Silikon.

Gummi- und Silikonteile sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken: Vibrationsdämpfer im Auto, Membranen in Abfüllanlagen für Getränke und Impfstoffe oder die klassische Waschmaschinendichtung. Doch besonders stark wächst derzeit ein anderer Bereich. „Früher haben wir vor allem Maschinen für die Automobilindustrie gebaut", sagt Stricker, Key Account Manager und strategischer Produktmanager. „Heute haben viele unserer Projekte mit Energie zu tun."

Der Grund: der weltweite Ausbau von Stromnetzen, Photovoltaik und Windkraft. Denn dafür werden große Mengen an Elastomerteilen benötigt: zum Beispiel Isolatoren, die verhindern, dass Masten unter Spannung stehen. Verbindungselemente zwischen Kabeln. Oder Schutzbauteile, die empfindliche Komponenten gegen Wind, Wasser und Schmutz abschirmen.

In Feinarbeit werden hier scharfe Kanten an einer Form glattgeschliffen. Stricker (rechts) mit einem Silikonteil, das massenhaft für den Ausbau von Netzverteilersystemen gebraucht wird. Fotos: KAUTSCHUK/Roland Sigwart

Nah am Kunden, weltweit im Einsatz

Stricker kennt die Anwendungen aus aller Welt. Er besucht Kunden vor Ort, analysiert Produktionsbedingungen und berät bei neuen Projekten. Seine eigene Karriere begann vor 18 Jahren genau hier – als Auszubildender zum Elektroniker. Es folgten Einsätze als Servicetechniker rund um den Globus, eine Weiterbildung zum Techniker für Automatisierungstechnik und Betriebswirt – und schließlich der Wechsel in den Vertrieb.

„Dass wir so viele unterschiedliche Branchen bedienen, macht meinen Job besonders spannend", sagt er. Denn auf den Maschinen entstehen nicht nur Teile für Energieanlagen, sondern auch Dichtungen für Wasserversorgung, Komponenten für Glasfaserleitungen oder Silikondeckel für Impfstoffampullen.

 

Aus allen Düsen des Kalt­kanals muss gleich viel Material fließen – deshalb werden die Gummiknäuel gleich noch gewogen. Ein Mitarbeiter (rechts) führt Silikonkautschuk in den Silikonstopfer einer Spritzgießanlage ein. Fotos: KAUTSCHUK/Roland Sigwart

In der Endmontage stehen bereits mehrere Anlagen bereit zum Versand. Durch eine breite Zufahrt fahren Lkws direkt in die Halle, um die Maschinen abzuholen. Rund 500 Anlagen liefert das Unternehmen jedes Jahr an Kunden überall auf dem Globus aus. Und immer wieder kommen diese Kunden selbst nach Fridingen – etwa zur Hausmesse am 1. Oktober, die gerade vorbereitet wird.

 

Klöckner Desma – die Fakten

Klöckner Desma Elastomertechnik baut Spritzgießmaschinen für die Verarbeitung von Gummi und Silikon. Auf den Anlagen entstehen technische Formteile, die später in Autos, Stromnetzen, Medizintechnik oder Industrieanlagen zum Einsatz kommen. Neben dem Hauptsitz in Fridingen betreibt das Unternehmen vier weitere Standorte in der Slowakei, Indien, China und den USA. Weltweit arbeiten rund 550 Beschäftigte für Desma, davon etwa 220 in Fridingen.

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Über die Autorin

 Barbara Auer

Barbara Auer

Barbara Auer berichtet direkt aus dem Südwesten über die dortige Industrie. Nach dem Studium der Sozialwissenschaft mit Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre volontierte sie beim „Münchner Merkur“. Wenn Barbara mal nicht fürs Kautschuk-Magazin oder andere Arbeitnehmer-Medien im Einsatz ist, streift sie gerne durch Wiesen und Wälder – und fotografiert und filmt dabei, von der Blume bis zur Landschaft