Mitarbeiterporträts
Heute hier, morgen dort
Florian Häßner hat Maschinenparks geprüft und Baustellen gemanagt. Nun ist er Technischer Manager beim Dämmstoffhersteller Armacell – und findet seinen Job so vielfältig wie keinen zuvor
von Michael Aust

Münster. Der Mann hat sich was vorgenommen: 12.000 Kilometer will Florian Häßner dieses Jahr auf dem Rennrad oder dem Gravel Bike zurücklegen – das wären schlappe 33 Kilometer pro Tag! „Ich versuche, vier- bis fünfmal die Woche zu fahren“, sagt der 32-Jährige. Meist auf den kurvigen Straßen der Eifel. Und regelmäßig von seinem Wohnort Euskirchen nach Bonn, wo seine Partnerin wohnt. „Das ist das Schöne am Homeoffice: Ich kann abends zu meiner Freundin radeln und morgens zurück nach Hause zum Arbeiten.“ Und was kickt einen im Beruf, wenn man privat so viel unterwegs ist? Die Abwechslung! „Es gibt keinen Tag, an dem ich morgens weiß, was tagsüber an Anfragen kommt“, sagt Häßner über seinen Job als Technischer Manager Deutschland bei Armacell in Münster.
Armacell ist Marktführer und Innovationstreiber für technische Dämmmaterialien. 1954 brachte das Unternehmen den ersten flexiblen Dämmstoff zur Anlagenisolierung auf den Markt. Die Marke „ArmaFlex“ steht heute für eine ganze Produktklasse – ähnlich wie „Tempo“ für Papiertaschentücher. Seither hat die Armacell-Gruppe viele weitere Elastomere und andere technische Schäume für den Kälte-, Wärme-, Schall- und Brandschutz entwickelt. So sorgen etwa „ArmaComfort“-Schallschutzdämmungen dafür, dass aus Abwasserleitungen keine störenden Fließgeräusche durch Wände dringen. Und „ArmaFlex Ultima“ wird oft in öffentlichen Gebäuden eingesetzt, da diese Isolierung im Brandfall nur wenig Rauch entwickelt, was die Sicherheit erhöht.
Neustart durch Initiativbewerbung
Irgendwann macht auch Häßner den Absprung. Er landet als Sicherheitsingenieur bei einem Industriedienstleister. „Da war ich oft anderthalb Wochen am Stück draußen beim Kunden, um dessen Maschinenpark sicherheitstechnisch abzunehmen.“ Ein Alltag zwischen Industriegebiet und Hotel. „Mit der Zeit habe ich gemerkt: Das ständige Auf-Montage-Sein liegt mir nicht.“ Als dann Corona und Kurzarbeit kommen, schaut er sich nach etwas Neuem um.
Nächste Station: ein Industrieisolierer. Wieder eine neue Branche, wieder ein anderes Aufgabenfeld. Als Projektleiter managt Häßner Baustellen, lernt Mitarbeiterführung und Kosten-Tracking. „Aber da fehlte mir irgendwann der technische Aspekt“, sagt er. Als ein Ex-Kollege von seinem Job bei Armacell schwärmt, schreibt Häßner eine Initiativbewerbung. „Knapp ein Jahr später klingelte dann das Telefon.“
„Es ist schön, wenn der Karriereweg so aufeinander aufbaut“
- Florian Häßner
Bei Armacell kann Häßner nun viele Kompetenzen nutzen, die er in seinen vorherigen Jobs aufgebaut hat. „Meine Stelle ist zwischen der Zentralen Technik und unseren Sales-Teams angesiedelt“, erklärt er. Als Technischer Manager kommt er ins Spiel, wenn der Innendienst bei Anfragen von Dämmstoffhändlern oder Verarbeitern Unterstützung braucht. „Die Techniker können nicht immer so nah beim Kunden sein und die Sales-Kollegen vor Ort nicht immer ins technische Detail gehen“, sagt Häßner. „Ich bin dann das Bindeglied, berate oder fahre zum Kunden raus.“
Schulungen für den Nachwuchs
Ein wichtiges Thema ist die fachgerechte Verarbeitung der Dämmstoffe. „Oft lassen sich unsere Produkte gar nicht nach Handbuch anbringen“, sagt Häßner. Gerade in Bestandsbauten sind etwa Leitungen häufig schlecht erreichbar oder es gibt besondere Anforderungen, etwa beim Brandschutz. „Dann stellt sich die Frage: Wie kriege ich trotzdem eine qualitativ hochwertige, sichere und praktikable Lösung hin?“ Zu seinem Job gehören auch Schulungen bei Kunden und Verarbeitern oder in Berufsschulen. „Dort treffe ich die Anwender von morgen.“ Die Idee ist, den Nachwuchs an moderne Dämmmaterialien heranzuführen, etwa das neuartige, besonders effiziente „ArmaGel“. Zukunftschancen sieht Häßner auch bei Kunden in der Chemiebranche: „Dort gibt es noch viel Geschäftspotenzial für Armacell.“
Rund 30 Prozent seiner Arbeitszeit sei er auf Achse, schätzt der Technische Manager. Aber eben nicht mehr wochenlang bei ein- und demselben Kunden wie früher – obwohl er diese Erfahrungen nicht missen möchte: „Es ist schön, wenn der Karriereweg so aufeinander aufbaut.“ Beruflich sei er jetzt erst mal angekommen. Privat ist ein Ziel noch weit entfernt: Von den 12.000 Kilometern auf dem Rad waren bis August 6.200 Kilometer geschafft.
Zwischen Innovation und Anwendung
Damit solche neuartigen Produkte bekannt und richtig verarbeitet werden, braucht es Allrounder wie Häßner. Fachleute, die sich zum einen auskennen mit den sich wandelnden Vorgaben und Normen, etwa beim Brandschutz. Zum anderen müssen sie wissen, was technisch möglich ist: Welche Produktvarianten bietet Armacell für welchen Zweck? Und woran wird gerade geforscht? Nicht zuletzt sollten solche Allrounder auch die Probleme der Anwender verstehen, also jener Handwerker und Isolierprofis, die Dämmstoffe verarbeiten – und auf ihren Baustellen nur selten perfekte Bedingungen vorfinden. Dass Häßner fachlich so breit aufgestellt ist, hat er seinem Berufsweg zu verdanken: Der war zwar oft kurvig wie ein Eifel-Radweg, aber vielleicht gerade deshalb ein gutes Training.
Im Maschinenbaustudium an der TH Köln auf Kunststoffverarbeitung spezialisiert, führt ihn der erste Job 2016 zu einem Autozulieferer. Die Firma produziert AdBlue-Tanks für Dieselfahrzeuge. „Das Problem war das Timing“, erinnert sich Häßner. „Damals schlugen die Auswirkungen des Diesel-Skandals gerade durch. Es war schwer, als Neuling Fuß zu fassen, auch, weil viele Mitarbeiter gehen mussten.“
Armacell – die Fakten
Technische Dämmstoffe sind das Kerngeschäft von Armacell. Vor mehr als 70 Jahren brachte das Unternehmen, das damals noch zum US-Konzern Armstrong gehörte, den ersten flexiblen Dämmstoff für die Anlagenisolierung auf den Markt. Produktname: Armaflex. Heute hält die Armacell-Gruppe über 220 Patente und beschäftigt knapp 3.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – über 500 davon in Münster.