Ausbildung

Revolution im Klassenzimmer

Die Stiftung NiedersachsenMetall fordert auf ihrem Bildungskongress einen sofortigen Kurswechsel in der Schulpolitik – und stellt zehn konkrete Punkte dazu vor

von Isabel Link

· Lesezeit 3 Minuten.
Physiker und TV-Journalist : Ranga Yogeshwar bei seiner Ansprache auf dem Bildungskongress. Foto: KAUTSCHUK/Axel Herzig

Hannover. Wie muss sich Schule verändern, damit Kinder bestmöglich auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet werden? Welche Probleme sollten jetzt sofort angegangen werden? Und welche Potenziale lassen sich in der Schule der Zukunft freisetzen?

Antworten auf diese Fragen hat die Stiftung NiedersachsenMetall auf ihrem Bildungskongress im Schloss Herrenhausen in Hannover vorgestellt. „Zehn Eckpfeiler für die Schule der Zukunft“ lautet das bildungspolitische Plädoyer, das Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands NiedersachsenMetall, und Olaf Brandes, Geschäftsführer der Stiftung, präsentierten. Unterstützt wurden sie dabei vom Lehrer-Influencer und Podcaster Bob Blume und dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar.

Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall: Dr. Volker Schmidt fordert in seiner Rede einen Kurswechsel in der Bildungspolitik. Foto: KAUTSCHUK/Axel Herzig

Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall: Dr. Volker Schmidt fordert in seiner Rede einen Kurswechsel in der Bildungspolitik. Foto: KAUTSCHUK/Axel Herzig

Wir brauchen jetzt den Kurswechsel in der Bildungspolitik. Im internationalen Vergleich hat der Bildungsstandort Deutschland den Anschluss verloren“, kritisierte NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Schmidt. Kompetenzen und Fähigkeiten, die bereits heute und zukünftig noch stärker auf den Arbeitsmärkten gefragt sind, würden in der Schule nur unzureichend vermittelt. „Damit gerät auch Deutschlands Status als eine der führenden Industrienationen der Welt in Gefahr.“

„Wir brauchen ein Update unseres Bildungssystems“  – TV-Moderator Ranga Yogeshwar

Die von der Stiftung erarbeiteten Eckpunkte benennen Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, damit Deutschland in Sachen Bildung nicht weiter hinterherhinkt. Dabei geht es nicht nur um Naheliegendes wie eine bessere Ausstattung von Schulen und die Ausbildung von Lehrkräften. Auch im Zusammenspiel von Schulen, Politik und Wirtschaft gibt es Luft nach oben.

Eine der Kernforderungen: Schulen müssen in der Lage sein, selbstständig entscheiden zu können. „Schulen sind in vielen Bereichen fremdbestimmt, und ihre Handlungsspielräume werden auch durch zunehmende Bürokratie immer weiter eingeschränkt“, monierte Schmidt. Damit Schulen einen modernen und praxisnahen Unterricht anbieten könnten, müssten Schulleitungen und Lehrkräften mehr Kompetenzen zugestanden und Freiräumegegeben werden. Die Formel dafür: „Weniger Bürokratie und mehr Budgethoheit.“ Außerdem brauche es mehr Spielräume, um etwa Quereinsteiger zu beschäftigen. Lehrerinnen und Lehrer müssten zudem regelmäßig fortgebildet und von fachfremden Aufgaben entlastet werden.

Ein weiterer Punkt: Sprachförderung. Damit alle Schülerinnen und Schüler dem Unterricht ohne größere Schwierigkeiten folgen können, müssten die Sprachkenntnisse stärker in den Fokus genommen werden, forderte Schmidt. Darüber hinaus müsse es das Ziel sein, dass jeder die Schule mit einem Abschluss verlässt. Dafür müssten die individuellen Stärken gefördert werden. „Dazu zählt auch, die Durchlässigkeit zwischen den unterschiedlichen Schulformen wieder zu erhöhen und das Konzept der Förderschule mit einzubeziehen.“

Engagiert: Stiftungs-Geschäftsführer Olaf Brandes, Dr. Volker Schmidt, NiedersachsenMetall-Präsident Wolfgang Niemsch, Unternehmer Klaus Kirchheim und Ranga Yogeshwar (von links). Fotos: KAUTSCHUK/Axel Herzig

Engagiert: Stiftungs-Geschäftsführer Olaf Brandes, Dr. Volker Schmidt, NiedersachsenMetall-Präsident Wolfgang Niemsch, Unternehmer Klaus Kirchheim und Ranga Yogeshwar (von links). Fotos: KAUTSCHUK/Axel Herzig

Die Schule als schönstes Gebäude der Stadt

Dass Bildungsreformen dringend nötig sind, machte TV-Moderator Yogeshwar klar. „Wir haben Handlungsbedarf – und nicht nur ein bisschen“, sagte der Diplom-Physiker. Das deutsche Bildungssystem sei noch im 19. Jahrhundert verankert und müsse dringend „upgedatet“ werden. „Ich plädiere für eine echte Bildungsrevolution, für eine radikale Veränderung“, so Yogeshwar. Aber wie würde eine Schule der Zukunft aussehen, wenn man sie sich erträumen könnte? Schul-Blogger Bob Blume hat dazu ganz konkrete Vorstellungen: „Das wäre eine Schule, die im schönsten Gebäude der ganzen Stadt ist, Raum für individuelles Lernen bietet und technisch und personell hervorragend ausgestattet ist.“

Weiter weg von diesem Traum könnten die Schulen von heute mit ihren überfüllten Klassen, überforderten Lehrkräften und regelmäßigen Unterrichtsausfällen kaum sein. „Die Zeit drängt, und die Welt bleibt nicht stehen“, mahnte NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Schmidt deshalb. „Die nächsten Schritte in der Fortentwicklung unserer Bildungslandschaft müssen jetzt konsequent angegangen werden.“

Zehn Eckpunkte für eine bessere Bildung

Die Stiftung NiedersachsenMetall hat zehn konkrete Forderungen an die Bildungspolitik gestellt. Die Eckpfeiler reichen von „Lehrkräfteausbildung stärken“ über die „Digitalisierung in der Schule“ bis hin zu „Anforderungen des Arbeitsmarkts berücksichtigen“. Das ganze Papier gibt es hier als PDF zum Download.

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