Standort Deutschland
Ehrenamt in Deutschland: Warum freiwilliges Engagement so wichtig ist
27 Millionen Menschen engagieren sich freiwillig – in Vereinen, im Katastrophenschutz oder in der Nachbarschaft
von Friederike Storz
Das Wichtigste in Kürze
- 27 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger engagieren sich freiwillig – rund ein Drittel der Bevölkerung.
- Freiwillige helfen in Vereinen, bei selbst organisierten Initiativen, im Katastrophenschutz und in der Nachbarschaftshilfe.
- Digitale Anwendungen erleichtern es, unabhängig von Ort und Zeit Treffen zu organisieren, Spenden zu sammeln und Menschen zusammenzubringen.
Engagement hat viele Formen
Einsatz für andere ist sehr vielfältig – das reicht vom Kassenwart im Verein bis zu selbst organisiertem Engagement etwa in der Flut- oder Flüchtlingshilfe. Freiwillige trainieren Mannschaften im Sportverein, sie organisieren Konzerte, sie engagieren sich für den Klimaschutz oder allgemein politisch. Etwa jeder vierte Engagierte hat ein Ehrenamt mit Leitungsfunktion. Bei den Menschen mit Migrationshintergrund ist gut jeder vierte freiwillig engagiert.
Gemeinsam für das Grundgesetz
„Für dich. Für uns. Für alle“ war gerade das Motto beim ersten deutschen Ehrentag. Er setzte einen Impuls für gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Teilhabe. Vereine, Verbände, Organisationen und Firmen waren aufgerufen, sich an dem bundesweiten Event zum Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai zu beteiligen. Die Idee: Zur Feier der Verfassung packen alle für ein paar Stunden mit an, um unser Land ein bisschen besser zu machen. Bundesweit gab es da mehrere Tausend Aktionen vom Sportturnier bis zum Seniorenkaffee.
Was Helfen bewirken kann
Studien belegen positive Auswirkungen von Freiwilligenarbeit – nicht zuletzt für die Helfenden selbst: Sie tun Sinnvolles, können gemeinsam etwas bewirken und Dinge verändern. Das schweißt zusammen, fördert soziale Einbindung und wirkt so gegen Einsamkeit. Statt Geld für die aufgewendete Zeit gibt es ein Lächeln, eine Umarmung, ein Danke.
Das gute Gefühl nach einem Einsatz hält oft noch lange an. Übrigens: Die Digitalisierung erleichtert das Engagement. Fast alle Freiwilligen nutzen digitale Anwendungen, sie organisieren Treffen, sammeln Spenden und bringen Menschen zusammen. Jeder kann so unabhängig von Ort und Zeit mitmachen.
Hilfe auch aus der Ferne
Das Technische Hilfswerk hat sogar einen virtuellen Ortsverband. Dessen 70 Ehrenamtler agieren bundesweit, sie bekämpfen Falschmeldungen im Netz und unterstützen die örtlichen Einsatzkräfte aus der Ferne, zum Beispiel mit Lagekarten. Bundesweit sind 1,7 Millionen Ehrenamtliche ab 18 Jahren im Zivil- und Katastrophenschutz engagiert – 3 Prozent der deutschen Wohnbevölkerung.
Diese Quote ist seit 1999 konstant, doch die Anforderungen steigen: Der Klimawandel bringt mehr Extremwetterereignisse wie Stürme und Starkregen, die ehrenamtlichen Einsatzkräfte müssen immer häufiger ausrücken. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz startete deshalb die Kampagne „Egal was du kannst, du kannst helfen“. Eine interaktive Karte unter mit-dir-fuer-uns-alle.de zeigt Möglichkeiten fürs Engagement am eigenen Wohnort, über 10.000 Standorte anerkannter Hilfs- und Einsatzorganisationen sind bereits eingetragen.
Anlaufstellen für Freiwillige
Im Web finden sich weitere seriöse Seiten für Menschen, die sich für andere einsetzen wollen. Eine Auswahl:
deutsche-stiftung-engagement-und-ehrenamt.de – zentrale Informationen für Freiwillige, speziell in ländlichen Regionen,
gute-tat.de – Vermittlung und Förderung von bürgerschaftlichem Engagement,
mitwirk-o-mat.de – Matching-Tool für Angebote zu lokalem Engagement,
vostel.de – Volunteering-Plattform mit Suchfunktion etwa nach Ort, Zielgruppe und Sprachkenntnissen.
Nachbarschaftshilfe weltweit
Weltweit leisten 2,1 Milliarden Menschen irgendeine Form freiwilliger Arbeit. Das entspricht etwa einem Drittel der Weltbevölkerung im arbeitsfähigen Alter. Sehr viel Engagement geschieht informell, über Dorfgemeinschaften oder als Nachbarschaftshilfe. Das ist global verbreitet – aber statistisch nur schwer zu messen.
Über die Autorin
Friederike Storz
Friederike Storz berichtet aus München über Verbraucherthemen und ist regelmäßige Autorin der Infografikseiten. Die ausgebildete Redakteurin ist Wirtschaftsgeografin und kam vom Berliner „Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu IW Medien. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.