Chefgespräche
Ein Physiker, der begeistert
730.000 Follower, ausverkaufte Bühnen, begeisterte Schüler: Jacob Beautemps weiß, wie man junge Menschen erreicht
von Isabel Link
Das Wichtigste in Kürze
- Hunderttausende Follower für Mathe und Physik: Jacob Beautemps macht Wissenschaft zu einem Thema, das Jugendliche freiwillig anklicken
- Sein Erfolgsrezept: Authentizität, Substanz und emotionales Storytelling statt trockener Fakten
- Was Unternehmen von ihm lernen können: Eine gute Geschichte wirkt mehr als jede Stellenanzeige
Köln. Mathe, Physik, Bio – für nicht wenige Schüler klingt das nach Stress, Frust und Stunden, die nicht vergehen wollen. Doch Jacob Beautemps macht aus diesen Fächern ein Thema, das junge Menschen sogar freiwillig anklicken. Mit seinem Youtube-Kanal „Breaking Lab“ begeistert der promovierte Physiker und Wissenschafts-Influencer Woche für Woche Hunderttausende für Naturwissenschaften und Technik. Auch live erreicht er ein großes Publikum – etwa auf der IdeenExpo, die Jugendliche für MINT-Fächer und technische Berufe gewinnen will. Wir haben den 32-Jährigen in Köln getroffen.
Herr Beautemps, „Breaking Lab“ hat fast 730.000 Follower. Warum funktioniert Wissenschaft bei Ihnen so gut?
Wahrscheinlich, weil es authentisch ist. Ich bin selbst fasziniert von den Themen, über die ich spreche, und beschäftige mich ständig mit Innovationen. Das macht Spaß und schafft Hoffnung – gerade in einer Zeit, die viele als belastend empfinden. Ich finde, wir erzählen in Deutschland zu selten positive Geschichten. In klassischen Medien dominieren oft negative Schlagzeilen, während Fortschritt und spannende Erfindungen kaum Beachtung finden. Genau das will ich mit „Breaking Lab“ ändern. Gleichzeitig muss hinter den Inhalten Substanz stecken. Ich arbeite mit transparenten Quellen und stehe mit meinem Namen und Gesicht dafür ein. Das kommt offenbar gut an.
Geht es Ihren Zuschauern also weniger um den Wissensgewinn als vielmehr um Emotionen?
Das würde ich so nicht sagen. Es ist eine Kombination aus beidem – und genau darin liegt gute Wissenschaftskommunikation. Natürlich geht es um Inhalte. Aber wir alle wissen aus Schule oder Studium, wie langweilig Themen sind, wenn sie trocken vermittelt werden. Wenn ich erklären kann, warum etwas persönlich relevant ist, entsteht Interesse und dann macht auch das Lernen mehr Spaß. Emotional erzählte Inhalte bleiben oft länger im Gedächtnis.
Wollten Sie deshalb ursprünglich Lehrer werden?
Das ist auf jeden Fall einer der Gründe. Mich hat die Idee gereizt, junge Menschen zu begleiten und positiv auf ihr Leben einzuwirken. Dass ich Physik studiert habe, war kein Zufall. Gerade dieses Fach hilft dabei, Zusammenhänge zu verstehen, Dinge kritisch zu hinterfragen und einzuordnen. Davon profitiere ich bis heute. Mein Kanal dreht sich zwar insgesamt um Innovationen, aber mein Studium hilft mir enorm, Entwicklungen zu verstehen und zu bewerten.
Merken Sie eigentlich, was Ihre Arbeit bei jungen Menschen auslöst?
Ja, auf jeden Fall! Vor Kurzem zum Beispiel habe ich einen Vortrag gehalten, danach kam ein Mann zu mir und sagte: „Ich kenne Sie eigentlich gar nicht, aber ich möchte mich bedanken. Mein Sohn hat durch Ihre Videos angefangen, Maschinenbau zu studieren.“ Das hat mich sehr beeindruckt, weil es völlig ungefiltert kam. Ähnliches erlebe ich auch abseits der Bühne – wenn ich Start-ups oder Forschungszentren besuche, treffe ich immer wieder junge Leute, die mir sagen: „Ich habe ein Video von dir gesehen und fand das Thema so spannend, dass ich mich hier beworben habe.“
Auf der Bühne stehen Sie im Juni wieder bei der IdeenExpo. Wo funktioniert Wissensvermittlung besser – live oder im Netz?
Ganz klar live. Videos haben ihre Stärken, vor allem dann, wenn es um komplexe Themen und Animationen geht. Aber auf der Bühne sieht man sofort, was bei den Leuten ankommt. Oft wird gesagt, junge Menschen ließen sich kaum für Naturwissenschaften begeistern. Ich mache die gegenteilige Erfahrung. Die IdeenExpo zeigt das jedes Mal: Schüler aus allen Schulformen machen mit, kommen auf die Bühne und beteiligen sich an Experimenten. Wenn man sie ernst nimmt und zeigt, warum ein Thema für ihr Leben relevant ist, sind sie sofort dabei.
Ist das nicht auch eine Aufgabe für Unternehmen: Zeigen, was junge Menschen im Job bewegen können?
Hundertprozentig. Junge Menschen wollen wissen, was sie mit ihrer Arbeit bewirken. Wenn Unternehmen das glaubwürdig zeigen, ist das meist stärker als materielle Anreize. Das gilt übrigens auch für den Standort: Unternehmen auf dem Land klagen oft, sie finden keinen Nachwuchs. Aber wenn ich das Gefühl habe, spannende Zukunftsthemen mitzugestalten, in einem guten Team zu arbeiten und wirklich etwas zu verändern – dann wird der Ort oft zweitrangig. Schließlich wollen wir Menschen ja einen Sinn im Leben und in unserer Arbeit finden.
Zuletzt: Gibt es eine Lektion, die für Unternehmen und Städte gleichermaßen gilt?
Beautemps: Am Ende geht es nie darum, eine Liste mit Vorteilen zu präsentieren. Und man muss auch nicht gleich einen eigenen Youtube-Kanal gründen. Klüger ist es, mit Menschen und Medien zusammenzuarbeiten, die bereits eine Reichweite haben. Manchmal reicht eine einzige, gut erzählte Geschichte, um enorme Aufmerksamkeit zu erregen – und anders als trockene Fakten bleibt sie hängen.
Jacob Beautemps
Jacob Beautemps ist Wissenschaftsvermittler und Influencer. Auf seinem Youtube-Kanal „Breaking Lab“ vermittelt er seit 2018 naturwissenschaftliche Themen verständlich und nahbar für Jugendliche. Dabei stützt er sich auf Studien, Experimente sowie Einschätzungen von Expertinnen und Experten. Beautemps studierte Physik und Sozialwissenschaften an der Universität Köln und promovierte dort. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit künstlicher Intelligenz und Lernen.