Debatte
Der Einwuff: Alte Knochen taugen nicht
Nostalgie ist wie Trockenfutter – Fortschritt aber das, wofür man sabbert
von Bonzo, dem Ballonhund

Also, ich muss euch jetzt mal kurz was bellen: Ihr Zweibeiner seid seltsam. Einerseits strebt ihr jeden Tag nach Fortschritt. Wollt gar zum Mars, also wirklich, keine zehn Kater trieben mich dahin. Andererseits aber seid ihr immer dann besonders glücklich, wenn die Dinge so sind, wie ihr sie von früher kennt.
Letztens dachte ich mir das mal wieder. Lag in meinem Körbchen, TV lief. Und da hörte ich es: Oasis sind zurück. Die größte Britpop-Band der 90er. War ja alles vor meiner Zeit. Aber Herrchen? Sofort voll aus dem Häuschen. Hat mit glasigem Blick geflüstert: „Wonderwall, mein Junge. DAS war noch Musik.“
Ich hab mich dann mal bisschen in die Details reingeschnüffelt, bin ja ’ne Spürnase. Also: Diese Reunion-Tour der Brüder Liam und Noel Gallagher war schneller ausverkauft, als ich mein Revier markieren kann. 1,4 Millionen Tickets, ruckzuck weg. Die Fans sabbern kollektiv vor Glück. Und fielen bei den bisherigen Konzerten schneller über die Merch-Stände her als ich über meinen Napf. 50 Millionen Pfund soll jeder der Brüder mit der Tour verdienen – da kann man ’ne Menge Knochen von kaufen. Aber neue Musik? Gibt’s gar nicht. Oasis jaulen einfach die alten Songs von vor 30 Jahren.
Erst dachte ich: Ihr Menschen seid einfach gern retro. Fahrt neue E-Autos im Designkleid der Klassiker von früher. Kauft Kühlschränke, Lampen oder Deko-Artikel, die aussehen wie in den 60er Jahren. Nostalgie macht euch glücklich. Aber dann ist mir was aufgefallen. Es gibt einen Unterschied zwischen modernen Industrieerzeugnissen und der Oasis-Tour.
Beispiel E-Auto: Wer drin sitzt, fühlt sich vielleicht wohlig an vergangene Zeiten erinnert, steckt aber eigentlich in einem Hightech-Kokon. Trick: das vertraute Gefühl von damals, kombiniert mit Technik und Komfort von heute.
Nostalgie allein? Ist wie alte Knochen. Taugt vielleicht für die Bühne. Aber nicht für die „richtige“ Wirtschaft. Denn da zählt nicht, was mal lecker war – sondern was heute noch Biss hat.