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Standort Deutschland

China spielt nicht fair

Chinas Tricks schaden der Exportnation Deutschland massiv

von Thomas Goldau

· Lesezeit 4 Minuten.
Chinesische Waren fluten den europäischen Markt: Das Handelsdefizit wächst. Foto: vchalup – stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze:

  • Shein, Temu und Co. sind nur die Spitze des Eisbergs: China verdrängt Europa auch bei Maschinen und Autos
  • Unterbewerteter Yuan, versteckte Subventionen: Chinas Preisvorsprung ist zu 50 Prozent unfair erkauft
  • Experten fordern gezielte Ausgleichszölle – bevor Europas Industrie weiter erodiert
 

Köln. Jedes einzelne Päckchen von Shein oder Temu, das der Paketbote bei uns abliefert, macht Deutschlands Handelsdefizit mit China ein bisschen größer. Dabei ist die Flut an kleinen Produkten fragwürdiger Qualität nur das Symptom eines viel größeren Problems: Inzwischen importiert Deutschland auch mehr Maschinen, Anlagen und Autos aus China als umgekehrt! Unschlagbar ist die chinesische Konkurrenz vor allem durch extreme Niedrigpreise.

Unfaire Tricks: Wie China seinen Preisvorsprung erkauft

„Diesen Vorsprung erreicht China aber auch durch unfaire Tricks“, sagt Jürgen Matthes, Experte für Außenhandel im Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW). So sei die nicht frei handelbare Währung Yuan deutlich unterbewertet, um mindestens 20, eher 30 Prozent. Dazu kämen hohe und teils versteckte Subventionen in vielen unterschiedlichen Formen: „Da vergeben Provinzregierungen Grundstücke kostenlos an Unternehmen. Vereinzelt stellen sie ihnen ganze Fabriken gratis hin.“ Rechne man solche Faktoren und die Wechselkurs-Unterbewertung zusammen, käme China auf einen unfairen Preisvorsprung von schätzungsweise 50  Prozent oder mehr.

Tausende Arbeitsplätze weg – jeden Monat

Die Folgen sind dramatisch. „Unsere Industrie erodiert“, mahnt Matthes. „Wenn in Deutschland Monat für Monat Tausende Arbeitsplätze verloren gehen, liegt das gerade auch mit an China.“ Wobei das Problem Europa insgesamt betrifft: Im Vorjahr lieferte China Waren für 560 Milliarden Euro in die EU – in die umgekehrte Richtung gingen nur Waren im Wert von 214  Milliarden. „Es ist höchste Zeit, dass die EU auf dieses massive Ungleichgewicht mit gezielten Ausgleichszöllen reagiert“, sagt Matthes. Diese Zölle müssten aber so berechnet werden, dass sie nur den unfairen Preisvorteil ausgleichen. Je nach Sektor, Produkt und Ausmaß der Wettbewerbsverzerrung wären sie also unterschiedlich hoch. 

„Europa muss sich wehren. Sonst stirbt unsere Industrie  vor sich hin“
Jürgen Matthes, Institut der deutschen Wirtschaft

Mit protektionistischen Strafzöllen, wie sie etwa US-Präsident Donald Trump willkürlich verhängt, dürfe man solche Ausgleichszölle nicht verwechseln, betont der IW-Ökonom. Wobei Trumps hohe Zölle gegenüber China übrigens indirekt auch dazu geführt haben, die Flut chinesischer Waren nach Europa noch anschwellen zu lassen.

Abhängigkeiten nutzt Peking systematisch aus

Doch wie heikel es ist, im Umgang mit China Stärke zu zeigen, wurde zuletzt einmal mehr im Februar beim Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Peking deutlich. Hatte er noch wenige Wochen zuvor auf der Münchner Sicherheitskonferenz gewarnt, China nutze wirtschaftliche Abhängigkeiten systematisch aus, so sprach er beim Antrittsbesuch vor laufenden Kameras doch von einer „strategischen Partnerschaft“.

Ein Grund könnte sein, dass Deutschland auf Chinas Wohlwollen bei der Lieferung von seltenen Erden hinarbeitet. „Es ist nur zu hoffen, dass Merz hinter den Kulissen deutlicher geworden ist“, so Matthes. In einer IW-Umfrage habe schon 2024 die Hälfte der hiesigen Industrie-Unternehmen mit chinesischer Konkurrenz gesagt, man habe wegen des harten Wettbewerbs Leute entlassen müssen. 

Europas Dilemma: Wehren oder kuschen?

Die Industrie zu schützen, das treibt auch die EU-Kommission um. Handelskommissar Maros Sefcovic hat infrage gestellt, ob die EU China weiterhin nach den günstigen Regeln der Welthandelsorganisation behandeln solle. Eine Abkehr davon, verbunden mit deutlich höheren Zöllen, würde Chinas Exporte hart treffen– und „signifikante Gegenmaßnahmen“ Pekings hervorrufen, sagt Matthes. 

Doch Europa müsse sich mit Ausgleichszöllen wehren und dabei auch solche kurzfristigen Kosten einkalkulieren. „Sonst stirbt unsere Industrie vor sich hin und die mittelfristigen Kosten wären noch sehr viel höher.“
 

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