Branchen-News
Was die Branche im März bewegt
Krise bei Gummi und Reifen, Bio-Polymere holen auf, Michelin kauft Dichtungsspezialisten – die News
von Roman Winnicki
Vier Jahre Abwärtstrend
Frankfurt/Main. Die deutsche Kautschukindustrie kommt nicht aus der Krise. 2025 sank die Produktion von Reifen und technischen Elastomer-Erzeugnissen bereits im vierten Jahr in Folge, die Beschäftigung sogar im fünften. Wie der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (wdk) mitteilte, lag die Produktion bei lediglich 1,03 Millionen Tonnen, was einem Rückgang von 6,4 Prozent entspricht. Der Umsatz fiel auf 10,45 Milliarden Euro (-8,0 Prozent) und die Zahl der Beschäftigten sank auf 60.600 (-3,8 Prozent). Ein Lichtblick in den ansonsten rückläufigen Zahlen waren die Investitionen: Sie beliefen sich 2025 auf insgesamt 760 Millionen Euro und lagen damit leicht über dem Vorjahr (+2,7 Prozent).
Die Nachfrage nach Gummiprodukten made in Germany bleibt im In- und Ausland schwach. Selbst auf dem bislang von heimischen Anbietern dominierten Binnenmarkt kommt es zu teils deutlichen Marktanteilsverschiebungen. „Die Auftragsvergaben orientieren sich derzeit nahezu ausschließlich an Kostenfaktoren. Das ist ein eklatanter Unterschied zu den bislang qualitätsbasierten Bestellungen“, erklärte wdk-Chefvolkswirt Michael Berthel. Für viele Mittelständler seien die standortbedingten Energie-, Bürokratie-, Steuer- und Arbeitskosten kaum noch tragbar. Unternehmen sehen sich daher gezwungen, Investitionen ins Ausland zu verlagern – obwohl sie am Standort Deutschland festhalten wollen. wdk-Präsident Michael Klein forderte die Politik zu raschem Handeln auf. Nötig seien klare politische Impulse zur Belebung der Nachfrage und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit – „nicht übermorgen, nicht morgen, sondern heute“.
Straße von Hormus wird zum Risiko
London. Eine mögliche Blockade der Straße von Hormus infolge des Iran-Kriegs könnte den weltweiten Handel mit Chemikalien und Kunststoffen erheblich stören. Darauf weist eine Analyse des Brancheninformationsdienstes ICIS hin. Große Exportmengen aus Saudi-Arabien, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait passieren die Meerenge auf dem Weg nach China, Asien und Europa.
Besonders betroffen wären wichtige Petrochemikalien wie Methanol, Polyolefine und Ethylenglykol. Auch Rohstoffe wie Naphtha könnten knapper werden. Sie werden unter anderem für Kunststoffe und synthetischen Kautschuk benötigt. Sollte der Schiffsverkehr länger eingeschränkt bleiben, könnte dies weltweit zu Angebotsengpässen und steigenden Preisen führen. Nach Einschätzung der Analysten könnten US-Produzenten zusätzliche Mengen zwar liefern. Die Ausfälle aus dem Nahen Osten ließen sich jedoch voraussichtlich nicht vollständig kompensieren.
Bio-Polymere im Aufschwung
Hürth. Die Produktion bio-basierter Polymere wächst deutlich schneller als die herkömmlicher Kunststoffe. Laut dem aktuellen Report „Bio-based Building Blocks and Polymers – Global Capacities, Production and Trends 2025–2030“ des Nova-Instituts wurden im Jahr 2025 weltweit 4,5 Millionen Tonnen produziert, was rund 1 Prozent der gesamten Polymerproduktion entspricht.
Die Dynamik ist jedoch hoch: Bis 2030 rechnen die Experten mit jährlichen Zuwachsraten von etwa 11 Prozent, während die Menge konventioneller Kunststoffe lediglich um 2 bis 3 Prozent pro Jahr zunimmt. Auffällig sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Materialien: Bio-basiertes Polypropylen (PP) soll besonders stark zulegen, ebenso wie PHA und PLA. Gleichzeitig verschieben sich die regionalen Gewichte: Asien bleibt zwar der größte Produzent, doch Nordamerika und Europa holen auf. Während sich die Produktionsschwerpunkte verschieben, bleibt der Ressourcenbedarf überschaubar: Der Anbau der Rohstoffe beansprucht weltweit nur rund 0,016 Prozent der Agrarflächen.
Michelin kauft Flexitallic
Clermont-Ferrand. Der französische Reifenhersteller Michelin übernimmt den US-Dichtungsanbieter Flexitallic. Mit dem Zukauf erweitert der Konzern sein Industriegeschäft und stärkt vor allem den Zugang zum Ersatzteilmarkt. Flexitallic mit Sitz in Houston (Texas) fertigt Hochleistungsdichtungen für die Energie- und Chemieindustrie – also für Anwendungen, in denen Bauteile extremen Temperaturen, Drücken und Medien standhalten müssen.
Flexitallic produziert an 17 Standorten weltweit, beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und kam 2025 auf einen Umsatz von rund 220 Millionen US-Dollar. Für Michelin ist die Übernahme ein weiterer Schritt im Ausbau seines Nicht-Reifen-Geschäfts. Dichtungslösungen gelten als margenstark und weniger konjunkturanfällig als das klassische Reifensegment. Der Abschluss der Transaktion ist – vorbehaltlich kartellrechtlicher Genehmigungen – für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen.